Wie kann ich erkennen, ob ich Fake oder Fact lese?

Seit einigen Jahren hat die Verbreitung von Fake News, Desinformation und Fehlinformationen erheblich zugenommen, während der COVID-19-Pandemie war ein deutlicher Anstieg zu verzeichnen.

Was könnte der Grund für diesen starken Anstieg von Fake News während der Pandemie gewesen sein?

Pandemien oder jede andere Art von Krise bringen immer Unsicherheit mit sich. Es gibt so viel Ungewissheit - dies kann dazu führen. dass sich viele falsche Informationen, darunter auch Verschwörungstheorien, einfacher verbreiten. Diese Theorien bieten einfache Erklärungen und befriedigen das Bedürfnis der Menschen nach Gewissheit: Sie verringern die Ungewissheit. Ein weiterer Grund ist, dass selbst Behördenvertreter:innen und Experten:innen oft nicht sicher sind, welche Informationen wahr sind und welche nicht. Das Virus ist neu. Wir brauchen Zeit, um es zu erforschen und herauszufinden, wie tödlich es ist und welche Massnahmen dagegenwirken und welche nicht. Infolgedessen kann sich etwas, das zu Beginn der Krise als wahr galt, später als falsch herausstellen. Dies stellt auch Journalist:innen und Medien vor ein Dilemma.

Wie kann man Fake News von Fakten unterscheiden?

Fergus McIntosh, Chefredakteur des New Yorker, der für seine unerbittlichen und rigorosen Faktenprüfungsverfahren bekannt ist, spricht über die Herausforderungen der Faktenprüfung im Zeitalter der Post-Wahrheit. Es ist ein erstaunlicher Vortrag und sehr informativ, sowohl für Leser:innen als auch für Journalist:innen. Im Wesentlichen schlägt er vor, die Faktenprüfung als einen iterativen Prozess und nicht als eine einmalige Lösung zu betrachten. Zu den von McIntosh empfohlenen Techniken gehört es, die wichtigsten Behauptungen herauszugreifen und sich zu fragen, was hier behauptet wird, welche Beweise dafür vorliegen, wie glaubwürdig diese Beweise sind und woher sie stammen. Es ist auch hilfreich, sich beim Lesen kritisch zu verhalten, d. h. zu versuchen, die Behauptung aus der entgegengesetzten Perspektive zu betrachten. Mit anderen Worten: Man muss jederzeit kritisch sein. Auch der Vergleich mehrerer Quellen kann helfen zu überprüfen, wie dieselbe Geschichte dargestellt wird, und so die Fakten untermauern. Es gibt auch Websites, die sich auf die Überprüfung von Fakten spezialisiert haben, wie PolitiFact oder Correctiv. Generell sollte Medienkompetenz ein Pflichtfach an Schulen und Universitäten sein, da umfassendere strukturelle Veränderungen erforderlich sind, um den Bürger:innen zu helfen, fundierte Entscheidungen über Informationen zu treffen, wenn es um ihren Medienkonsum und ihre Mediennutzung geht, insbesondere im Zeitalter von Deepfakes (also Bilder, Ton oder Videos, die durch künstliche Intelligenz generiert wurden).

Wie reagiert man am besten, wenn man in einer Diskussion mit Fake News konfrontiert wird?

Das hängt vom sozialen Kontext und der Beziehung zu den Personen ab, die die Falschmeldung verbreiten, daher gibt es keine allgemeingültige Lösung. Es ist ein grosser Unterschied, ob man ein Video mit falschen Informationen im Profil oder Newsfeed eines Gleichaltrigen sieht oder ob die Eltern oder Vorgesetzte einem erzählen, dass man sich nicht impfen lassen sollten, weil Bill Gates Chips in die Impfstoffe eingebaut hat. Manchmal kann man die Person, die eine falsche Behauptung aufstellt, direkt konfrontieren, aber das ist nicht in allen Fällen möglich und oft kann es sowohl der Beziehung zu dieser Person als auch deren Glauben an Fake News mehr schaden als nützen. In einem guten Artikel von Angela Haupt in Time werden einige Strategien vorgestellt, mit denen man eine Konfrontation vermeiden kann: Man kann beispielsweise fragen, woher die Leute die Fake News haben und warum sie glauben, dass diese Quellen vertrauenswürdig sind (und andere nicht). Man kann die Menschen auch daran erinnern, dass Verschwörungstheorien, die bestimmte Gruppen pauschal schlechtmachen, nicht von fiktiven Monstern handeln, sondern von realen Menschen mit realen Leben. Es ist zum Beispiel leicht zu behaupten, dass die Pharmaindustrie oder Migrant:innen allesamt böse und unmenschliche Wesen sind, die nur darauf aus sind, das Leben guter Menschen zu zerstören, aber es wird etwas schwieriger, wenn man daran erinnert, dass Menschen, die migrieren oder in der Gesundheitsbranche arbeiten, dieselben Menschen sind, die solche Behauptungen diskutieren.