Wie beeinflusst Impfpolarisation die Teilnahme an Forschungsstudien?

Die COVID-19-Pandemie hat zu geteilten Meinungen über Präventionsmassnahmen wie Impfungen geführt. Während widersprüchliche Interessen und Meinungsvielfalt Zeichen einer funktionierenden Demokratie sind, kann eine völlige Kluft zwischen den Meinungen der Bevölkerung die Fähigkeit, Kompromisse zu schliessen und demokratische Lösungen zu finden, massiv beeinträchtigen. Während der Pandemie blieb diese Spaltung nicht auf der politischen Ebene, sondern entwickelte sich auch auf der emotionalen Ebene weiter, was man in der Fachsprache als affektive Polarisierung bezeichnet.

Affektive Polarisierung kann als die Tendenz definiert werden, dass Menschen anderen, die ihre Ansichten teilen, mit Wärme, Positivität und Vertrauen begegnen, während sie denen, die anderer Meinung sind, zunehmend mit Kälte, Negativität oder Feindseligkeit begegnen. Obwohl affektive Polarisierung oft im politischen Kontext diskutiert wird, kann sie auch bei wichtigen gesellschaftlichen Themen wie der COVID-19-Impfung auftreten. In diesem Zusammenhang können Menschen starke positive Gefühle gegenüber denen entwickeln, die ihre Haltung zur Impfung teilen, und wachsendes Misstrauen oder Feindseligkeit gegenüber denen auf der gegnerischen Seite entwickeln.

Aziz Mert İpekçi ist Doktorand am Institut für Sozial- und Präventivmedizin und hat in seiner Forschung untersucht, inwiefern die Gefühle und Bedenken der Menschen gegenüber der COVID-Impfung mit ihrer Bereitschaft zusammenhängen, an einer Studie zur Pandemiebereitschaft teilzunehmen.

Was haben Sie über affektive Polarisierung herausgefunden?

Unsere Querschnittsumfrage im Kanton Bern hat gezeigt, dass mehr als die Hälfte der Teilnehmenden in Bezug auf das Thema COVID-19-Impfung affektiv polarisiert war. Unter den Befürwortern der Impfung nahmen diejenigen, die affektiv polarisiert waren, eher an einer Langzeit-Kohortenstudie teil als nicht polarisierte Befürworter, während unter den Impfgegnern diejenigen, die affektiv polarisiert waren, weniger wahrscheinlich teilnahmen als nicht polarisierte Gegner. Mit dieser Studie kamen wir zu dem Schluss, dass nach der COVID-19-Pandemie ein besseres Verständnis und eine bessere Auseinandersetzung mit affektiver Polarisierung erforderlich sind, um die Beteiligung an der Forschung zur Pandemiebereitschaft zu verbessern.

 

Warum sind Kenntnisse/Daten über Polarisierung nützlich?

Kenntnisse über affektive Polarisierung sind nützlich, da wir einen klaren Zusammenhang zwischen dem Grad der Polarisierung und dem Verhalten in Bezug auf die Teilnahme an Gesundheitsstudien beobachten können. Ähnliche Muster sind auch bei anderen Gesundheitsverhalten zu erkennen, beispielsweise bei der Impfbereitschaft, die mit affektiver Polarisierung in Verbindung steht. Es sind jedoch weitere Untersuchungen erforderlich, um diesen Zusammenhang eindeutig nachzuweisen. Daher sind wir der Meinung, dass die Messung affektiver Polarisierung wichtig für die Vorbereitung auf zukünftige Pandemien ist, da sie uns hilft, das Gesundheitsverhalten der Menschen besser zu verstehen und wirksamere Gesundheitspolitiken zu entwickeln.