Wer ist bereit, an einer Pandemie-Studie teilzunehmen, und wie beeinflussen Impfgefühle diese Entscheidung?

Diese Studie untersucht, wer bereit wäre, an einer langfristigen Gesundheitsstudie teilzunehmen, um sich besser auf zukünftige Pandemien vorzubereiten, und wie die Gefühle der Menschen gegenüber der COVID-19-Impfung diese Entscheidung beeinflussen. Bevor wir die Haupt-Kohortenstudie «Bern, get ready» (BEready) in Leben riefen, wollten wir verstehen, was Menschen eher dazu bringt, «Ja» zu einer Teilnahme an einer Kohortenstudie zu sagen. Dabei betrachteten wir nicht nur Faktoren wie Alter, Bildung und Einkommen, sondern auch ein Konzept namens «affektive Polarisierung»: die Kluft zwischen Nähegefühlen gegenüber Gleichgesinnten und negativer Haltung gegenüber Andersdenkenden. Die Ergebnisse helfen uns, eine Studie zu gestalten, die einen breiten Querschnitt der Bevölkerung des Kantons Bern abbildet.

Text von Aziz Mert İpekçi

Anteil der Befragten, die zur Teilnahme bereit sind, nach Gemeinden im Kanton Bern, Schweiz.

Warum haben wir diese Forschung durchgeführt und warum ist sie wichtig?

Die COVID-19-Pandemie hat gezeigt, wie wichtig es ist, schnell gute Informationen zu haben, wenn eine neue Krankheit auftritt. Eine Möglichkeit, besser auf die nächste Pandemie vorbereitet zu sein, ist der Aufbau einer «Kohortenstudie»: eine Gruppe von Menschen, die über längere Zeit beobachtet wird und bei Bedarf rasch einbezogen werden kann, wenn ein neuer Erreger auftaucht. Eine solche Studie funktioniert jedoch nur, wenn genügend Menschen aus unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen bereit sind, teilzunehmen, damit sie die Gesamtbevölkerung gut widerspiegelt. Die Pandemie hat zudem starke Gefühle hinterlassen, insbesondere zur Impfung, die die Gesellschaft gespalten haben. Wir wollten wissen, ob diese Spaltungen – und nicht nur klassische Faktoren wie Alter oder Einkommen – ebenfalls beeinflussen, ob Menschen bereit sind, an Pandemie-Forschung teilzunehmen.

Wie haben wir diese Studie durchgeführt?

Wir haben jeweils eine erwachsene Person aus 15 000 zufällig ausgewählten Haushalten im Kanton Bern eingeladen, einen Online-Fragebogen auszufüllen. Die Einladung wurde im September 2022 per Post verschickt, mit zwei Erinnerungen, und die Umfrage wurde im Dezember 2022 abgeschlossen. Wir fragten, ob die Personen bereit wären, an einer langfristigen Studie zu Infektionskrankheiten teilzunehmen, und erhoben zudem Angaben zu Alter, Bildung, Einkommen, Haushalt, Meinungen zur COVID-19-Impfung sowie Gefühle gegenüber geimpften und ungeimpften Personen. Die Differenz zwischen diesen Gefühlen diente als Mass für die «affektive Polarisierung». Etwa jeder fünfte Haushalt (23 %) nahm teil, und wir analysierten die Antworten von 3 394 Personen.

Was haben wir herausgefunden?

Die Hälfte der Befragten (50 %) gab an, bereit zu sein, an einer langfristigen Kohortenstudie teilzunehmen. Die Bereitschaft war höher bei jüngeren Erwachsenen, Personen mit höherer Bildung und höherem Einkommen sowie bei Menschen, die näher an der Stadt Bern wohnen. Sie war geringer bei älteren Personen, bei Menschen mit niedrigerem Bildungsniveau oder Einkommen sowie in ländlichen Gebieten. Eltern waren etwas weniger bereit, ihre Kinder einzubeziehen als sich selbst, und Tierhaltende unterschieden sich je nach Tierart in ihrer Bereitschaft, ihre Tiere einzuschliessen.

Die interessantesten Ergebnisse betreffen die Gefühle gegenüber der COVID-19-Impfung. Personen, die Impfungen ablehnen, waren deutlich weniger bereit, an Forschung teilzunehmen, als jene, die sie unterstützen. Die Rolle der Polarisierung war jedoch komplex: Unter den Befürwortenden waren stark affektiv polarisierte Personen noch eher bereit teilzunehmen, während unter den Gegnern:innen diejenigen mit starker affektiver Polarisierung am wenigsten bereit waren. Die wichtigsten Gründe für eine Teilnahme waren, anderen zu helfen und zur Vorbereitung auf zukünftige Pandemien beizutragen. Die häufigsten Gründe gegen eine Teilnahme waren mangelndes Interesse, Bedenken zum Datenschutz und Misstrauen.

Was bedeuten diese Ergebnisse?

Die Bereitschaft zur Teilnahme an Forschung zur Pandemiebereitschaft im Kanton Bern ist moderat und wird nicht nur von sozialen und wirtschaftlichen Faktoren beeinflusst, sondern auch davon, wie Menschen über andere mit unterschiedlichen Gesundheitsansichten denken. Zukünftige Studien müssen gezielt Gruppen ansprechen, die schwieriger zu erreichen sind, darunter ältere Menschen, Personen mit geringerem Einkommen oder niedrigerem Bildungsniveau sowie impfskeptische Personen. Einbindung der Bevölkerung, klare Kommunikation und Vertrauen in den Datenschutz sind entscheidend. Wenn es gelingt, auch die emotionalen Spaltungen (affektive Polarisierung), die die COVID-19-Pandemie hinterlassen hat, zu berücksichtigen, kann die nächste Generation von Studien inklusiver und im Ernstfall nützlicher sein.

Weitere Informationen

www.BEready.unibe.ch

Vollständige Quellenangabe

Ipekci AM, Hodel EM, Filsinger M, et al. Who would take part in a pandemic preparedness cohort study? The role of vaccine-related affective polarisation: cross-sectional survey.PLoS One 21(4): e0346420. doi:10.1371/journal.pone.0346420.

Der vollständige Artikel in englischer Sprache befindet sich hier.

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Prof Nicola Low