Die „Bern, get ready“ (BEready) Pilotstudie

Diese Forschungsarbeit beschreibt die Pilotstudie zur Studie „Bern, get ready“ (BEready) im Kanton Bern, Schweiz. Ziel der Pilotstudie war es zu prüfen, ob es möglich ist, eine Gruppe von Haushalten aufzubauen, die über einen längeren Zeitraum regelmässig beobachtet werden kann, eine sogenannte «Kohortenstudie». Wir untersuchten, ob Menschen bereit sind, an einer solchen Studie teilzunehmen, regelmässig Fragebögen auszufüllen, selbstständig Blutproben von der Fingerspitze sowie Nasenabstriche zu entnehmen und über ein Jahr hinweg dabeizubleiben. Zudem analysierten wir, wie sich Merkmale der Haushalte auf die Teilnahmebereitschaft auswirkten. Die Ergebnisse helfen uns bei der Planung der BEready-Hauptstudie. Deren Ziel ist es, eine grosse Gruppe von Menschen zu gewinnen, die im Falle einer zukünftigen Pandemie rasch an Forschungsprojekten teilnehmen kann.

Text von Eva Maria Hodel & Nicola Low

Den teilnehmenden Personen wird zu Studienbeginn eine Blutprobe entnommen. © BEready

Warum haben wir diese Forschung durchgeführt und warum ist sie wichtig?

Zu Beginn der COVID-19-Pandemie standen nur sehr wenige Echtzeitdaten zur Verfügung. Entscheidungsträger:innen fehlte damit eine solide Grundlage, um über notwendige Schutzmassnahmen für die Bevölkerung zu entscheiden. Fachpersonen betonten, dass Daten schneller erhoben werden können, wenn Personen bereits im Vorfeld ihre Teilnahmebereitschaft erklärt haben und im Falle einer neuen Pandemie unmittelbar einbezogen werden können. Solche Daten würden es ermöglichen, fundiertere und raschere Entscheidungen zu treffen. Deshalb planten wir den Aufbau einer festen Gruppe von Haushalten, die im Falle einer zukünftigen Pandemie schnell „aktiviert“ werden kann.

Wie haben wir diese Studie durchgeführt?

Wir luden eine zufällige Auswahl von Haushalten im Kanton Bern zur Teilnahme ein. Zu den Haushalten gehörten Erwachsene, Kinder sowie Haustiere (Katzen und Hunde). Nach einem ersten persönlichen Besuch mit Blutentnahme wurden die Teilnehmenden während eines Jahres weiter beobachtet. In dieser Zeit füllten sie Online-Fragebögen aus, entnahmen selbstständig Blutproben von der Fingerspitze und schickten diese per Post an das Studienteam zurück. Wir untersuchten,

  • wie viele Personen sich zur Teilnahme bereit erklärten,
  • ob bestimmte Bevölkerungsgruppen eher teilnahmen als andere,
  • wie zuverlässig Fragebögen ausgefüllt und Proben eingesendet wurden und
  • wie viele Personen nach 12 Monaten noch an der Studie beteiligt waren.

Was haben wir herausgefunden?

Von 1’138 zufällig eingeladenen Haushalten erklärten sich 106 (9 %) zur Teilnahme bereit. Zwei weitere Haushalte meldeten sich freiwillig. Insgesamt nahmen somit 108 Haushalte mit 193 Personen (durchschnittlich etwa zwei Personen pro Haushalt) und 44 Haustieren teil. Die Teilnahmebereitschaft war geringer bei grösseren Haushalten sowie bei Personen mit geringem Einkommen oder niedrigerem formalem Bildungsabschluss. Nach einem Jahr füllten 172 von 193 Teilnehmenden (89 %) aus 101 von 108 Haushalten (94 %) die Folgebefragung aus. 151 dieser Personen (88 %) sandten zusätzlich eine Blutprobe ein.

Was bedeuten diese Ergebnisse?

Die Pilotstudie zeigt, dass es grundsätzlich machbar ist, eine Kohorte von Haushalten aufzubauen und über längere Zeit mit deren Teilnehmenden in Kontakt zu bleiben. Durch gezielte Verbesserungen bei der Gewinnung von Teilnehmenden und ihrer langfristigen Teilnahme könnte die Zusammensetzung der Kohorte künftig noch ausgewogener gestaltet werden. Falls eine zukünftige Pandemie einen Lockdown erforderlich machen sollte, könnte diese Gruppe rasch aktiviert werden. Die Teilnehmenden wären in der Lage, Proben selbstständig zu Hause zu entnehmen und Fragebögen online auszufüllen. Eine solche Kohorte stellt daher ein wertvolles Instrument für die Forschung und Vorbereitung auf zukünftige Pandemien dar.

Weitere Informationen

www.BEready.unibe.ch

Vollständige Quellenangabe

Hodel EM, Wegmüller S, Iff F, et al. ‘Bern, get ready’, BEready, a household-based cohort study for pandemic preparedness research in Switzerland: pilot study. BMJ Open 2025;15:e109555. doi: 10.1136/bmjopen-2025-109555. 

Der vollständige Artikel in englischer Sprache befindet sich hier.

Kontakt

Dr Eva Maria Hodel