Verlässliche Selbsterfassung von Atemwegsinfektionen in Haushalten
Diese Forschungsarbeit wurde im Rahmen der Pilotstudie zur Studie „Bern, get ready“ (BEready) im Kanton Bern, Schweiz, durchgeführt. Es ging darum zu prüfen, ob es möglich ist, eine Gruppe von Haushalten aufzubauen, die im Laufe eines Jahres bei Erkältungs- und Grippesymptomen diese Krankheitsfälle zuverlässig meldet. Die Teilnehmenden mussten im Krankheitsfall Nasenabstriche selbst entnehmen und diese zur Analyse auf virale Erreger von Atemwegsinfektionen an das Studienteam schicken. Zudem mussten sie einen Fragebogen zu ihren Symptomen ausfüllen. Um zu verstehen, wie sich Viren innerhalb eines Haushaltes ausbreiten, wurden nach einer Woche auch Haushaltsmitglieder ohne Symptome sowie Haustiere getestet.
Text von Karin Grimm & Eva Maria Hodel
Warum haben wir diese Forschung durchgeführt und warum ist sie wichtig?
Zu Beginn der COVID-19-Pandemie fehlten verlässliche Daten in Echtzeit. Das erschwerte es sehr, wissenschaftlich begründete Schutzmassnahmen festzulegen. Sollte es erneut zu einer Pandemie kommen, müssen wir schnell biologische Proben, zum Beispiel Nasenabstriche, sammeln. Mithilfe biologischer Proben können wir besser verstehen, wie sich Krankheiten übertragen, und gezielte Schutzmassnahmen entwickeln. Auch das Testen von Haustieren ist wichtig, da sie in engem Kontakt mit ihren Besitzer:innen leben. Viele Pandemien haben ihren Ursprung in sogenannten Zoonosen; das sind Erkrankungen, die vom Tier auf den Menschen übergehen können.
Wie haben wir diese Studie durchgeführt?
Wir luden eine zufällige Auswahl von Haushalten im Kanton Bern zur Teilnahme ein. Zu den Haushalten gehörten Erwachsene, Kinder sowie Haustiere (Hunde und Katzen). Bei einem ersten persönlichen Besuch zeigten wir den Teilnehmenden genau, wie man die Nasenabstriche richtig durchführt. Danach meldeten sie ein Jahr lang Atemwegserkrankungen in ihrem Haushalt, füllten hierzu einen Fragebogen aus und sendeten Nasenabstriche ein. Zuerst testeten sich die Teilnehmenden mit Symptomen, eine Woche später der restliche Haushalt. Wir untersuchten,
- wie viele Proben bei einer Symptommeldung tatsächlich eingeschickt wurden,
- in wie vielen Proben Viren nachgewiesen wurden (im Vergleich zwischen Personen mit und ohne Symptome im selben Haushalt),
- ob in den Proben der Haustiere Krankheitserreger zu finden waren und
- wie einfach und angenehm die Teilnehmenden das Selbermachen der Abstriche empfanden.
Was haben wir herausgefunden?
Insgesamt nahmen 108 Haushalte mit 193 Personen und 44 Haustieren teil. 188 Teilnehmende in 78 Haushalten meldeten Symptome einer Atemwegsinfektion. Wir hatten entsprechend mit 387 Nasenabstrichen gerechnet und erhielten 336 (das entspricht 87 %).
- Bei 60 % der Personen mit Symptomen wurden Viren nachgewiesen. Am häufigsten das klassische Erkältungsvirus, das sogenannte Rhinovirus.
- Bei Personen im selben Haushalt ohne Symptome wurden in nur 6 % der Proben Viren gefunden.
- In den 24 Proben von Haustieren wurden keine Viren nachgewiesen.
- Die Mehrheit der Teilnehmenden gab an, dass die Nasenabstriche einfach durchzuführen und nicht unangenehm waren.
Was bedeuten diese Ergebnisse?
Die Studie hat gezeigt, dass der Aufbau einer Kohorte von Haushalten, die selbstständig biologische Proben (Nasenabstriche) zur Analyse auf Krankheitserreger im Falle von Symptomen einschickt, machbar ist und grundsätzlich gut funktioniert.Die Qualität der gesammelten Proben war gut genug, um Erreger zuverlässig nachzuweisen. Die Anzahl von Personen mit Symptomen bei denen Viren nachgewiesen wurden, war ähnlich hoch wie in anderen wissenschaftlichen Untersuchungen.
Dank dieser Pilotstudie konnten wir wichtige Abläufe für die anschliessende Hauptstudie noch weiter optimieren. Im Falle einer künftigen Pandemie können wir nun sehr rasch Daten und Proben sammeln. Das hilft uns, Ansteckungswege besser zu verstehen und wirksame Schutzmassnahmen oder Behandlungsmöglichkeiten zu entwickeln.
Weitere Informationen
www.BEready.unibe.ch
Vollständige Quellenangabe
Grimm K, Hodel EM, Gasser L, et al. Feasibility of studying respiratory infection transmission in a Swiss household cohort: Findings from the BEready (“Bern, get ready”) study. International Journal of Infectious Diseases 2026. doi: 10.1016/j.ijid.2026.109019.
Der vollständige Artikel in englischer Sprache befindet sich hier.
